Was bedeutet Religion heute?

Der Begriff Religion wird in diesen Zeiten für sehr viele Dinge gebraucht. Wann immer eine Leidenschaft oder Begeisterung im Spiel ist, wird sie schnell mit dem Begriff Religion in Verbindung gebracht. So z.B. beim Fußball, wo die Anhängerschaften ihre Verbundenheit zu einem Verein mit Religion gleichsetzen. Diese Praxis setzt sich in viele Bereiche unseres heutigen modernen Lebens fort. Es ist eine Art geflügeltes Wort geworden. Nach dieser Logik kann Religion heute alles sein, selbst die Mode scheut nicht vor solchen Gleichsetzungen. Viele Menschen sind von der Mode geradezu berauscht, der Tod einer der berühmtesten Mode-Zaren Karl Lagerfeld hat dies noch einmal veranschaulicht. Es ist grundsätzlich nichts Verkehrtes, sich Begriffe anzueignen und sie neu zu interpretieren und ihnen somit eine neue bzw. erweiterte Bedeutung zukommen zu lassen. Dies ist in der sprachlichen Entwicklung ein ganz normaler Vorgang. Religion kann somit auch ohne weiteres der Kauf von Schuhe im Internet sein, es liegt im Auge des Betrachters. Andere wiederum bezeichnen es als „ihre Religion“ wenn sie ihrem Hobby, ihrer Leidenschaft oder ihrem Beruf nachgehen, auch hier finden wir den Begriff Religion wieder.

Wie halten es die Kirchen mit dieser neuen Art der Begriffsnutzung?

Bisher gibt es dazu relativ wenig Konkretes, hier ist eher Zurückhaltung angesagt. Die Zeiten haben sich scheinbar geändert und der Missbrauchsskandal, der besonders die katholische Kirche hart trifft, lässt die Katholiken etwas zurückhaltender werden mit moralischen Belehrungen. Dies ist sehr schade, eine wirklich unglückliche Verkettung von negativen Ereignissen die dort zu einer ungewollten Zurückhaltung geführt hat.

Doch der Begriff wird nicht nur auf Kommerzielles und Hobbys übertragen, es gibt auch spirituelle Neuinterpretationen. Während der vergangenen Jahrzehnte hat sich die sogenannte New-Age-Spiritualität entwickelt. Hier kommen verschiedene Strömungen und Glaubensausrichtungen zusammen. Seien es die Anhänger des Yoga, der Meditation, der Persönlichkeitsentwicklung im Allgemeinen oder die Veganer, sie alle vereinen sich in dieser New-Age-Spiritualität. Der Begriff der Religion macht auch hier die Runde, für viele von ihnen ist es das genau geworden. Sie suchen und wollen den Bruch mit der bestehenden Werte- und Glaubensausrichtung, vieles halten sie für überholt und nicht mehr zeitgemäß. Zuweilen macht sich in diesen Kreisen auch eine gewisse Radikalität breit, die zwar nicht gefährlich aber zumindest bedenklich erscheint.

In die Tiefen der religiösen Gotteskrieger orientalischer Religionen wollen wir in dieser Artikelserie nicht einsteigen. Dennoch wollen wir uns einen Überblick verschaffen, wie schnell etwas als Religion bezeichnet werden kann und wie schnell dies wiederum dazu führen kann, das die eigenen Betrachtungen als die einzig wahren gesehen werden. Das betrifft den Fußball genauso wie die Yogis und die radikalen Extremisten. Auch wenn sich diese Gruppen auf den ersten Blick als höchst unterschiedlich scheinen, so gibt es schon gewisse Ähnlichkeiten. Eine davon ist die Nutzung des Begriffs Religion. Ob es daran liegt, dass ein jeder sein Handeln und Wirken gerne als etwas von höherer Macht gelenktes betrachten möchte, oder ob es völlig gedankenlos geschieht, darüber gehen die Meinungen der Forscher noch weit auseinander.

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